Rezension zu Sophos 2

Asfa-Wossen Asserate ist ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Er wurde 1948 in Addis Abeba geboren, studierte Geschichte und Jura in Tübingen und Cambridge und promovierte schließlich in Frankfurt am Main. Da die Revolution in Äthiopien eine Rückkehr in seine Heimat verhinderte, blieb Asserate in Deutschland, wo er heute als Unternehmensberater und politischer Analyst tätig ist.

Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Asserate als Schriftsteller: Sein 2003 erschienenes Buch »Manieren« eroberte in kürzester Zeit die deutschen Bestsellerlisten. Einige Rezensenten verglichen es sogar mit dem Knigge. Nicht ganz zu Unrecht: Wie Knigges berühmte und vielfach als bloße Benimmfibel missverstandene Schrift »Über den Umgang mit Menschen« aus dem Jahr 1788 sind auch die »Manieren« kein Lehrbuch, kein Leitfaden für gutes Benehmen, sondern gleichermaßen kluge wie einfühlsame, auf soziologischen und kulturgeschichtlichen Beobachtungen beruhende Verhaltensstudien, die für Taktgefühl und Höflichkeit im Umgang der Menschen miteinander plädieren.

In seinem neuesten Werk, dem schmalen Bändchen mit dem schönen Titel »Integration oder die Kunst, mit der Gabel zu essen« knüpft Asserate den in den »Manieren« gesponnenen kulturgeschichtlichen Faden weiter. Im Zentrum steht das Problem der Integration im Allgemeinen sowie die Bedeutung interkultureller Lernprozesse im Besonderen. Gesellschaftliche Integration, so Asserate, setzt Begegnung voraus, Begegnung erzeugt Spannungen, zumal, wenn es sich um das Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Kulturen handelt. Damit diese Spannungen positiv aufgelöst werden können, die Begegnung sich als wechselseitige Bereicherung erfahren lässt, ist es erforderlich, dass die einander Begegnenden sich zuvörderst nicht als Träger einer anderen Kultur, sondern als Menschen wahrnehmen und anerkennen.

Nur wenn der Andere als Mensch wahrgenommen wird, so Asserate weiter, lassen sich kulturelle Differenzen sowohl beibehalten als auch im gut Hegelschen Sinne »aufheben«, können sie für Lernprozesse fruchtbar gemacht werden. Integration darf dabei nicht mit Assimilation verwechselt werden: sie verlangt nicht die Aufgabe der eigenen kulturellen Identität, sondern die Anerkennung fremder Identität. Sie erfordert Offenheit und die Bereitschaft, vom Anderen zu lernen. Und sie fordert dies im Falle der Einwanderung von beiden: von der Aufnahmegesellschaft ebenso, die Vorurteile und Fremdenhass abbauen und die Zuwanderer an gemeinschaftlichen Gütern und Aktivitäten teilhaben lassen muss, wie von den Zuwanderern, die nicht nur eine neue Sprache, sondern auch neue soziale Regeln, Sitten und Gebräuche lernen müssen.

Integration ist ein Prozess der Anerkennung von Differenzen, freilich auch einer der Annäherung, der gegenseitigen Auseinandersetzung und Kommunikation. Im Idealfall stünde am Ende – sofern es ein solches überhaupt gibt –, die Übernahme einer gemeinsamen, ja gemeinschaftlichen Verantwortung. Soll Integration gelingen, muss sie nicht nur recht verstanden, sondern auch von allen Beteiligten gewollt werden. In Deutschland wie in Europa ist dies Asserate zufolge gegenwärtig noch nicht wirklich, jedenfalls nicht in dem erforderlichen Maße der Fall. Wohl ist die multikulturelle Gesellschaft hier Realität, allein es mangelt am Integrationswillen, an der Bereitschaft, wechselseitig voneinander zu lernen und mit-, nicht nebeneinander leben zu wollen.

Tatsächlich geht es Asserate zufolge gar nicht mehr um die Frage, ob wir mit Menschen, die ursprünglich aus anderen Kulturkreisen stammen, zusammenleben wollen – faktisch tun wir dies längst –, sondern darum, wie wir das bewerkstelligen. Wenn wir, so seine sympathische Schlussfolgerung, bereit sind, unser interkulturelles Bewusstsein zu schärfen, wenn wir erkennen, wie sehr wir alle durch verborgene und vergessene Fäden miteinander verknüpft sind, wie sehr unsere eigene Kultur das Produkt interkultureller Kommunikation ist, sollte es uns nicht schwer fallen, Toleranz zu üben und mit Menschen anderer Herkunft gleichberechtigt zusammenzuleben. Asserates Text lässt sie sichtbar werden, diese verborgenen Fäden, die Kulturen und Menschen miteinander verbinden.

(Dr. Bernd Mayerhofer)

Sophos? Etymologie Teil 1

»Das Wort Philosophie ist griechischen Ursprungs und trat als Name zuerst bei Heraklit auf. Der die Wissenschaft (Weisheit) Besitzende war der Weise (sophos), der sie Lehrende der Sophist (sophistes)

Quelle

»Integration erfordert Offenheit und die Bereitschaft zu lernen.«

»[...]

Integration stellt mannigfache Anforderungen, sowohl an die Zuwanderer, als auch an die »einheimische« Bevölkerung. Im Gegensatz zur Assimilation verlangt Integration von den Zuwanderern nicht die Aufgabe ihrer eigenen kulturellen Identität. Allerdings erfordert sie die Bereitschaft und den Willen, eine weitgehende Neu-Sozialisation und Neuorganisation der Persönlichkeit auf sich zu nehmen. Integration erfordert Offenheit und die Bereitschaft zu lernen. Zentral ist dabei das Erlernen der Sprache der neuen Umgebung, unverzichtbar aber auch eine Kenntnis der sozialen Regeln des Gastlandes.

Die Aufnahmegesellschaft muss gegenüber Einwanderern und ihren Kindern ein Mindestmaß an Offenheit aufbringen. Soll Integration gelingen, ist es erforderlich, die zugewanderten Menschen an gemeinschaftlichen Gütern und Aktivitäten teilhaben zu lassen. Vor allem müssen der Arbeitsmarkt und der Wohnungsmarkt für sie zugänglich sein. Eine weitere Aufgabe der Aufnahmegesellschaft besteht darin, Vorurteile und Fremdenhass abzubauen. Integration ist ein Prozess der Annäherung, gegenseitigen Auseinandersetzung und Kommunikation, des Feststellens von Gemeinsamkeiten und Unterschieden, aber auch der  Übernahme einer gemeinschaftlichen Verantwortung.

Eine aggressive Abwehr von allem Fremden war die typische Reaktion früher Stammesgesellschaften. Der soziale Zusammenhalt in diesen begrenzten und kleinen Gemeinschaften wurde durch Verwandtschaft und äußerliche Homogenität hergestellt. Aus den Stammesgesellschaften sind im Laufe der Zeit überall auf der Welt differenzierte Gesellschaften entstanden, die untereinander in ständigem Austausch stehen. Eine erfolgreiche Integration von Menschen anderer Herkunft und anderer Kultur erwies sich dabei im Laufe der Geschichte als entscheidender Faktor in der kulturellen Entwicklung der Menschheit. 

[…]«

Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate
Zitat aus Band 2

Prinz Asfa-Wossen Asserate in der Deutschen Welle

Asfa-Wossen Asserate: Integration oder die Kunst, mit der Gabel zu essen

Asfa-Wossen Asserate, Prinz aus dem äthiopischen Kaiserhaus, wurde 1948 in Addis Abeba geboren. Nach seinem Abitur an der Deutschen Schule, studierte er Geschichte und Jura in Tübingen und Cambridge, anschließend promovierte er in Frankfurt am Main. Die Revolution in Äthiopien verhinderte die Rückkehr in seine Heimat. Er lebt heute in Deutschland und ist als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten sowie als politischer Analyst tätig. Sein Buch »Manieren« war ein großer Publikumserfolg.

20,5 × 13 cm, 24 S. Drahtheftung
2011
ISBN-10: 3-8316-4044-0
ISBN-13: 978-3-8316-4044-7
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Peter Cornelius Mayer-Tasch: Über Mäzene und das Mäzenatische

»Herr, mach’, dass ich nicht fehle, wo ich nötig bin.«

Uralt ist die Beziehung zwischen Künstler und Mäzen, uralt das Mäzenatische als soziales Phänomen, als kunst- und kulturschaffende Einrichtung. Mit leichtfüßigem Schritt spürt der Autor dieser wechselvollen Beziehung nach, folgt er den oft kaum wahrnehmbaren Spuren der (para-)mäzenatischen Fürsorge für Kunst und Kultur in der Geschichte. Dass Gesellschaften auch heute noch nicht auf das selbstlose, den Einsatz privater Mittel nicht scheuende Engagement einzelner verzichten können, steht für ihn dabei fest, dass der Staat dieses Handeln seinerseits zu unterstützen hat, sei es durch eine entsprechende Gesetzgebungstätigkeit, sei es durch eigenes Mäzenatentum.

Prof. Dr. jur. Cornelius Mayer-Tasch war von 1971 bis 2003 Professor für Politikwissenschaft und Rechtstheorie am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2002 ist er Rektor der Hochschule für Politik München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Politische Ökologie, Politische Rechtslehre und Politische Philosophie.

20,5 × 13 cm, 16 S. Drahtheftung
2008
ISBN-10: 3-8316-0835-0
ISBN-13: 978-3-8316-0835-5
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